Follow us on Twitter

Die Kreutzersonate

Buchvorstellung

Kreutzersonate"Erst sagen Sie, daß die Ehe sich auf der Liebe aufbaut, und wenn ich nun bezweifele, daß es eine andere Liebe außer der sinnlichen gibt, wollen Sie mir das Vorhandensein der Liebe dadurch beweisen, daß es Ehen gibt! Heutzutage ist die Ehe nichts anderes als Betrug!" Dieses Zitat stammt aus einer der berühmtesten und oft diskutierten Erzählungen von Lew N. Tolstoi aus den Jahren 1887/89 und wird von Posdnyschew gegenüber einem jungen Mann, den er auf einer längeren Zugfahrt gerade kennengelernt hat, geäußert. Wohin die Liebe und Ehe Posdnyschew bringen, erfahrt Ihr in dieser rasanten Erzählung, die mir mehrmals den Atem raubte in seiner grenzenlosen Radikalität. Tolstoi rechnet in dieser Novelle mit der Institution Ehe und seiner Frau ab, die sehr deutlich als die Protagonistin wiedererkannt wurde. Tolstois Frau, Sofja Tolstaja, wiederum revanchierte sich mit einem "Gegenbuch", dass seit 2008 auch auf Deutsch unter dem Titel "Eine Frage der Schuld" erhältlich ist. Beide Titel sind im September 2010 als Doppelausgabe bei Manesse erschienen. Unbedingt beide (wieder-)lesen!

Und wem das noch nicht reicht, kann sich die Kreutzersonate auch anhören: Tolstoi basierte seine Erzählung auf das Violinkonzert No. 9 von Ludwig van Beethoven.

 

Das Haar der Berenice

Benutzerbewertung: / 3
SchwachPerfekt 
Buchvorstellung

Buchcover - Das Haar der Berenice Ein sehr bedeutendes Buch in meinem Leben ist Das Haar der Berenice von Angela Sommer-Bodenburg (Die Autorin ist wohl am ehesten durch Der kleine Vampir bekannt geworden). Das Buch hatte mir meine Mutter geschenkt, als ich ca. 13 oder 14 Jahre alt war. Seitdem habe ich es mindestens ein Mal im Jahr gelesen. Wie man anhand des Alters schon vermuten kann, ist es ein Jugendroman, den ich aber auch jedem Erwachsenen empfehlen kann - und hiermit nun auch tue.

Dieses Buch hat mich nicht nur durch seinen Inhalt bewegt - Berenice, eine junge Frau, die sich sehr für Literatur interessiert und selbst auch schreibt, verliebt sich in Marian, einen Germanistikstudenten, der sich auf eine Liebesbeziehung mit ihr einlässt, ohne ihr zu sagen, dass er verlobt ist - es hat vor allem meine Liebe und Begeisterung für Literatur geweckt. Angela Sommer-Bodenburg beschränkt sich in ihrem Roman nicht nur auf die Beziehung zwischen Marian und Berenice, sondern flechtet an allen möglichen und passenden Stellen auch Autoren und ihre Lyrik mit ein. Was mich daran am meisten beeindruckt, sind die Gespräche, die sich zwischen Berenice und Marian zu den Gedichten entwickeln. Die Autorin lässt den Leser nicht mit den Gedichten allein, sondern interpretiert diese durch die Hauptfiguren auf ganz persönliche und wirklich bewegende Art und Weise. Die von ihr gewählten Gedichte haben mich unter anderem zu dem wichtigsten Autoren in meinem Leben gebracht - Rainer Maria Rilke. Aber nicht nur ihn, sondern auch Rabindranath Tagore und Edith Södergran habe ich durch sie kennen, schätzen und lieben gelernt.

Das Haar der Berenice kann ich deshalb jedem empfehlen - egal ob Jugendlicher oder Erwachsener - der sich für (Liebes-)Literatur begeistern kann und gerne auch neue Autoren kennenlernen möchte.

Als kleinen Vorgeschmack hier noch das erste Gedicht, welches man in diesem Roman zu lesen bekommt. Es ist von Manfred Hausmann und heißt - ganz passend - Liebe.

Liebe

Wenn wir uns nicht haben und uns sehnen,
Dann ist's, als hätten wir uns endlich ganz.
Doch wenn wir nahe sind und uns geborgen wähnen,
verdunkelt sich die Welt, verblasst der Glanz.

Die Ferne ist es nicht und nicht die Nähe,
Ach, immer lebt das Innigste allein.
Lass uns, wie gut es auch, wie schlimm es um uns stehe,
lass uns barmherzig zueinander sein!

 

Urfaust

Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 
Hörbuch

Hörbuch von Goethes Was macht man, wenn man längere Zeit im Auto auf dem Weg ins Literaturarchiv in Marbach unterwegs ist und sich schon einmal mit "hoher Literatur" einstimmen will? Man schnappt sich - natürlich - Goethe. Um euch auch gleich ein neues Hörbuch präsentieren zu können, haben wir zum "Urfaust" gegriffen, erschienen 2007 im Argon Verlag.

 

Weiterlesen...

 

Das Karussell

Gedichte

Jardin du LuxemburgRilke Handschrift

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur daß er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel...

"Die zierliche Bleistiftschrift dieses Blattes gehört Rainer Maria Rilke. In schlichten, geschwungenen Buchstaben und geradem Zeilenfall tritt uns das »Karussell« entgegen. Es ist das einzige der 1907 veröffentlichten »Neuen Gedichte«, von dem ein Manuskript existiert und wirkt wie eine Reinschrift - nur ein Buchstabe wird durchgestrichen und ein Wort, da es nicht mehr in die Zeile passt, darunter gesetzt." (LiMo)

Weiterlesen...

 

Deutschboden

Buchvorstellung

Buchcover Deutschboden

Bücher über Ostdeutschland und "die Ossis" sind entweder peinlich, voller Vorurteile oder manchmal auch ziemlich komisch und authentisch. Zu den letzteren würde ich Geschichten wie "Am  kürzeren Ende der Sonnenallee" von Thomas Brussig zählen und seit wenigen Wochen auch "Deutschboden - Eine teilnehmende Beobachtung" von Moritz von Uslar. Warum? 1. ist Moritz Rheinländer (wie ich), 2. traut er sich was, von dem unsere Regierenden nur palavern und 3. sind die vielen kleinen Geschichten, die er erzählt, traurig und saukomisch in einem. Worum geht's? Moritz fährt mit seinem geliehenen Fiat 500 in die brandenburgische Provinz nach Oberhavel, um dort über ca. drei Monate die Menschen zu beobachten, sie zu Wort kommen zu lassen und mit ihnen zu trinken und zu sprechen. Das ist ein echter Trip, der uns Deutschen und auch ein wenig den Osten in voller Pracht darstellt - im Guten wie im Schlechten. 

Moritz von Uslar: "Deutschboden - Eine teilnehmende Beobachtung". Erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2010

 
Suche
Veranstaltungen
Zur Zeit sind keine Einträge vorhanden!
Anmelden